• Bonusmutter Jule

Über die Notwendigkeit des Tragens von Hausschuhen

Aktualisiert: 18. März




Ein beliebtes Diskussionsthema in unserem Hause ist das Thema „Hausschuhe anziehen“.

Ich bin in einem 70er Jahre Haus groß geworden, bei dessen Bau das Wort „Fußbodenheizung“ noch nicht existiert hat. Demzufolge gab es immer einen kalten Boden, was respektive zu kalten Füßen und damit in der Folge zu Erkältungskrankheiten der Kinder führte, so dass daheim großen Wert darauf gelegt wurde, Hausschuhe anzuziehen. Demzufolge trage ich noch heute die guten alten Birkenstocks und konnte auch Marc vom Modell „Arizona“ mit dem orthopädischen und zudem höchst angenehmen Fußbett überzeugen.

Zu Beginn unserer Journey wurden die Pantoletten von den Kids auch angenommen – schließlich trägt man ja in der Grundschule auch Hausschuhe. Mit zunehmendem Alter (insbesondere von Annika) ließ jedoch die Begeisterung für Hausschuhe nach und diametral gegensätzlich entwickelte sich die Anzahl meiner Ermahnungen, doch bitte Hausschuhe anzuziehen.

Wir wechselten noch zum Modell „Emoji/ Kackhaufen“ von Deichmann – ein orthopädisch sicherlich höchst bedenklicher Schuh, der dem Grunde nach nur aus Kissenstoff besteht und wie der Name schon vermuten lässt, einen Kackhaufen (bekannt aus den WhatsApp-Emojis) darstellt. Annikas beste Freundin trug eben jenes Modell, so dass auch sie dem Kauf zustimmte. Wirklich getragen wurden die Schuhe jedoch nie, zumal wir auch noch das Problem hatten, dass Schuhgröße 39/40 nahezu genauso groß wie 41/42 ist und daher stets ein Kind einen passenden und einen zu großen bzw. zu kleinen Schuh trug.

Je nach Temperaturlage (und Motivation meinerseits) führten wir hin und wieder die Diskussion über die Notwendigkeit ebenjene Hausschuhe anzuziehen. Neben der Tatsache, dass ich weiterhin der festen Überzeugung war, dass Hausschuhe vor Erkältungen schützen, hatte das Tragen von Hausschuhen auch den Vorteil, dass man weder weiße Socken, die inzwischen auf der Laufseite grau waren, mit Spezialmitteln bei der Reinigung behandeln musste, um sie wieder der Farbe weiß anzunähern, noch hatte man mit Schweißfüßen auf dem Laminat zu kämpfen.

Das Thema rankte bei Marc auf der Wichtigkeitsskala ungefähr auf dem Platz hinter der Frage, wann das nächste Mal in Thüringen wieder Landtagswahl war (man kann hier auch ein x-beliebiges Bundesland einsetzen – nichts gegen die Thüringer!). Ihm war es also auf hochdeutsch gesprochen ziemlich latte, ob die Kinder nun Hausschuhe trugen oder nicht. Bei Bedarf erhielt ich auch die notwendige Unterstützung, aber irgendwie wurde ich des Ermahnens müde. Zudem muss man ja auch bedenken, dass die Kinder in der Regel nur jedes zweite Wochenende bei uns waren, so dass – eine Inkubationszeit einer Erkältung von 3-5 Tagen unterstellt – wir stets nicht die Leidtragenden einer Erkältung der Kinder waren, so dass ich anfing, dem ganzen entspannter entgegen zu blicken. Außerdem konnte ich auch wunderbar auf die Diskussion, dass wieder das andere Geschwisterlein den eigenen Schuh trug, verzichten. Die Kinder überlebten den Winter und ich entsorgte die (Emoji-) Kackhaufen.

Brisanz bekam das Thema dann noch einmal, als Frühling wurde und die Kinder in Socken auf unserem Balkon herumflanierten. Die Kackhaufen waren keine Option mehr und jedes Mal die Straßenschuhe anzuziehen, war doch ein wenig anstrengend, zumal regelmäßig vergessen wurde, diese wieder auszuziehen, so dass mit dreckigen Schuhen durch die Wohnung geflitzt wurde (wenn ich das so schreibe, komme ich mir grad wie ein (kleiner) Hausschuh -Nazi vor). Nachdem ich zwei Wochenenden die weiß-grauen Socken mit Gallseife und sonstigen Wundermitteln meines Putzschrankes behandelt hatte, entschied ich, dass eine Alternativlösung hermusste.

Stoff-Kackhaufen kamen nicht mehr in Betracht, so dass ich mich – in Anbetracht der Tatsache, dass die Kinder damals noch gerne schwimmen gingen – für einen weiteren Klassiker der deutschen Schuhgeschichte entschied: die guten alten Adiletten. Was in meiner Jugend schon funktioniert hatte, sollte doch auch im Year 2020 funktionieren. Für Annika bestellte ich ein Paar von Nike, da mit der Vollendung des 13. Lebensjahres Annikas Markenbewusstsein aktiviert worden war. Die Schuhe wurden mit Begeisterung entgegengenommen – weniger ob der Tatsache, dass es Hausschuhe waren als vielmehr dem Umstand geschuldet, dass man Besitzer eines weißen Swoosh-Logos geworden war. Die Schuhe wurden in alle Tragevarianten (meines Erachtens gibt es da nur eine überschaubare Anzahl von; dies sah Annika jedoch gänzlich anders und war mehrere Stunden beschäftigt) fotografiert und die Fotos den Freundinnen per Whatsapp/ Insta/ Snapchat usw. zugeleitet.

Als Annika und Tommy nach dem Wochenende abreisten, bat Annika mit den bettelnsten Hundeaugen der Welt, die ich (ungelogen) jemals in meinem Leben gesehen habe, darum, die Schuhe mitnehmen zu dürfen (Anmerkung der Redaktion: Grundsätzlich haben wir – aufgrund erfolgter Diskussionen mit Uschi – getrennte Kleiderschränke. Das bedeutet, dass die Kinder natürlich über ein Set Klamotten bei Uschi verfügen; jedoch auch eine abgespeckte Klamottensammlung bei uns haben, die dann exklusiv bei uns getragen wird. Hintergrund war die Tatsache, dass in der Vergangenheit nicht die zutreffenden Boxershorts oder Socken mit den Kindern „zurückgeliefert“ wurden, so dass wir uns dafür entschieden haben, die Kinder bei uns komplett auszustatten und bei Anreise die getragenen Kleidungsstücke zu waschen und abreisebereit hinzulegen. Wir hatten in der Vergangenheit zudem auch oft die Erfahrung gemacht, dass Sachen, die die Kinder bei uns haben, dann mit zu Uschi genommen wurden, jedoch nie zu uns zurückgekehrt sind, so dass wir uns am Einkaufen hielten. Letzten Endes führte das dann dazu, dass die Kinder nun mit den gleichen Sachen an- wie abreisten.)

Wir erlaubten Annika die Schuhe, auf die sie so stolz war, ausnahmsweise mitzunehmen (ich ließ aber die Schuhe von Marc direkt auf die „Einpackliste“ für den nächsten Besuch setzen, um sicherzustellen, dass sie auch zu uns zurückkehrten und ich nicht noch bei der VHS einen „Socken wieder richtig sauberbekommen“-Kurs buchen musste).

2 Wochen später:

Die Schuhe kehrten zurück und sahen auch schon sehr mitgenommen aus. Als ich fragte, welchen Krieg die Schuhe durchlebt hatten, wurde mir mitgeteilt, dass man die Schuhe ja auch oft tragen würde. Ich musste ein wenig schmunzeln und merkte an, dass doch Hausschuhe ziemlich uncool seien. Daraufhin erfuhr ich von Annika, dass es nur „auf die richtige Marke ankäme und Mama die Schuhe auch so cool gefunden hätte, dass sie sie andauernd (auch auf der Straße) getragen hätte.“

Needless to say: die „Hausschuhe“ der Marke Nike werden seitdem exklusiv ihrer geplanten Nutzung zugeführt: sie haben und werden diesen Haushalt nicht mehr verlassen und sind bei Betreten des Balkons zwingend anzuziehen.


94 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Über die Ohnmacht