• Bonusmutter Jule

Über die Tischmanieren

Aktualisiert: 18. März



Im Rahmen des „Mecker-Mittwochs“ ging es diese Woche bei Instragram um das Thema „Tischmanieren“.


Vorweg sei gesagt: egal was Du in diesem Zusammenhang über Dein(e) Bonuskind(er) denkst – glaub mir, Du bist nicht alleine.

Hier ein paar Kommentare der Bonusmamas, was bei Ihnen so am Tisch abgeht und was sie daran nervt:


„Schmatzen“

„Wenn mein BT das Essen quasi inhaliert“

„Die furchtbaren Essengeräusche der Bonuskinder“

„Die Art und Weise, wie sie essen“

„Die Bonustochter kaut bei allen Mahlzeiten mit offenem Mund“

„Die Art wie BK und Schwiegermutter essen“

„Wenn die Bonuskids die Finger am Tisch ablecken und dann alles andere am Tisch anfassen.“

„Nach dem Essen wird direkt am Tisch vor allen an den Nägeln gekaut.“

„Einer der beiden pustet ihr Essen so stark kalt, dass sie mich mit Essen trifft.“

„Und es wird noch mit vollem Mund gesprochen.“

„Ellenbogen auf den Tisch“

„Und wenn man sie bittet, nicht zu schmatzen, sagt sie „Mache ich doch gar nicht. (6 J.)““

„Genervtes Augenrollen, wenn man es anspricht.“


Es sieht also so aus, als wäre das Thema Tischmanieren bei vielen Bonusmamas ein „Aufreg-Thema“.


Ich muss für mich sagen, dass ich mit dem Thema zwischenzeitlich abgeschlossen habe. Leider nicht, weil es so super gut funktioniert, sondern weil ich einfach keine Energie mehr habe, mich darüber aufzuregen.


Bei uns war es so, dass ich Annika und Tommi kennengelernt habe, als Annika 10 Jahre alt war und Tommi 6 Jahre. Das Thema „Tischmanieren“ kam relativ schnell im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Tisch.“ Unsere Uschi hatte – wie Marc es gerne umschreibt – stets den Kindern „die Fischstäbchen geschnitten“, so dass diese grundsätzlich nie ein Messer benutzen mussten. Uschis Begründung war für ihr Verhalten, dass es dann „deutlich schneller“ ging. Nun gut.


Wir erklärten den Kindern, dass man grundsätzlich mit Messer und Gabel ist. Hier sei noch darauf hingewiesen, dass wohl nach gängiger Meinung, die Gabel links zu halten ist und das Messer rechts (zumindest bei Rechtshänder, die wir alle sind).

(Versteht mich hier bitte nicht falsch – wir sind keine Tischmanieren- Nazis, die penibelst auf die Etikette achten, aber ein paar Grundregeln sollten schon stimmen… So was wie mit Messer und Gabel essen, keine Ellenbogen auf den Tisch, nicht schmatzen und schlürfen usw.).


So weit, so gut. Tommi nahm die Herausforderung an und aß fortan mit Messer und Gabel.

Annika jedoch sah das nicht ein. Schließlich klappte es hervorragend auch nur mit einer Gabel!?!


Wenn es Fleisch gab, haute sie kurzerhand mit der rechten Hand die Gabel in das Fleisch, schrabbelte mit dem Messer in der linken Hand über das Fleisch und zerteilte es in wenige große Stücke, die sie dann mit vollem Mund herunterschlang.


Viele gute Worte später beschloss Marc einen Tischmanierenkurs für 100 € zu buchen, denn auch das nette Angebot meiner Mutter, Annika „das einmal zu erklären“ lief überraschenderweise ins Leere. Leider fand der Kurs mangels notwendiger Anzahl an Teilnehmern nicht statt.


Ich gab jedoch nicht auf. Wir guckten Pretty Woman und lachten über die Szene, wo Vivian Westwood alias Julia Roberts die Schnecke von ihrem Teller flutschte. Annika lachte herzlich mit – weitere Erkenntnisse zog sie nicht aus dieser Szene. Auch nach Aufarbeitung durch uns, wie sich Vivian wohl gefühlt haben musste? No chance.


Wir luden meine Schwägerin, die in einer großen Kanzlei arbeitet, zu einem Pep-Talk ein, in dem sie erzählte, dass es Gang und Gäbe sei, dass Bewerber für eine Stelle stets auch zum Essen eingeladen würden, um zu sehen, wie sie sich dort präsentierten. Annika erklärte, dass sie so einen Job nicht haben wollte und aß weiterhin nur mit der Gabel.


Auch der Hinweis, dass mein dreijähriger Neffe sich schon eines Messers bedient, führt bei Annika nur zu Schulterzucken: „Wenn er halt meint!?!“


Im Sommer 2019, als ich eh eine etwas schwierigere Zeit mit Annika hatte, schmiss ich dann die Flinte ins Korn: ich teilte ihr mir, dass ich nun seit zwei Jahren ihr versucht hatte zu erklären, wie wichtig gute Tischmanieren seien und ich es nun definitiv aufgeben würde. Sollte sie doch so essen, wie sie wolle, aber ich würde nicht mehr mit ihr ins Restaurant gehen.

Annika guckte etwas verdutzt, aber vermutlich war auch das ihr total egal.


In der Folge erzählte sie uns noch einmal, dass sie sich bei ihrer Freundin nicht traute mit der Familie zu essen, weil sie befürchtete etwas falsch zu machen. Marc warb erneut dafür, dass es doch eine tolle Möglichkeit wäre, zu Hause zu üben, um dann selbstsicher dort am Tisch sitzen zu können. Annika überlegte kurz und entschied, dass sie es doch ausreichend genug könne und im Zweifel halt nichts essen würde.


Inzwischen ist es so, dass sie teilweise, wenn wir bei meiner Mutter zum Essen eingeladen sind, nur Kartoffeln ist, denn die kann man ja wunderbar mit der Gabel zerdrücken. Gemüse isst sie nicht und Fleisch kann sie nicht schneiden. Auch Salat ist schwierig, denn wenn man nicht die Finger nutzen kann, um die letzten Maiskörner aus dem Salatteller zu fischen, ist es nahezu eine unlösbare Aufgabe.


Ich habe meinen Frieden damit geschlossen. Wenn Annika, inzwischen 15, diese Erfahrung in ihrem Leben wünscht, dass sie wegen ihrer Tischmanieren ggf. abgewertet wird, dann bitte schön. Es ist ihre freie Entscheidung. Und dass Tischmanieren wichtig sind, ist ja nur meine „Wahrheit“ im Kopf. Vielleicht stimmt das ja gar nicht?

Was Restaurantbesuche angeht, sind Besuche von Burgerläden möglich. Viel mehr aber auch nicht.

Und am eigenen Essenstisch schaue ich einfach weg, wenn Annika mit der rechten Hand die Gabel hält, mit der linken Hand den schweren Kopf stützt oder mit den Fingern sich Reste in den Mund schiebt, die sie nicht auf ihre Gabel bugsiert bekommt.

Marc stört das übrigens auch – nur komischerweise hat nicht so ein kritisches Auge wie ich, das diese „Verstöße“ auch immer sieht.


Positiv lässt sich aber festhalten, dass es – wenn man es zeitig angeht (siehe Tommi) – durchaus eine Chance gibt, die Bonuskids positiv zu beeinflussen. Auch wenn man natürlich nicht alle Marotten ausgetrieben bekommt, aber es ist ein Anfang. Tommi leckt zum Beispiel immer mit der Zunge die Messerspitze ab. Als ich das das erste Mal gesehen habe, habe ich aus Intuition laut „Vorsicht, scharf“ gerufen, woraufhin er mich verdutzt angeguckt hat.


Als wir dann irgendwann man mit Uschi essen waren (das erste und letzte Ma(h)l), wusste ich, woher Tommi diese Angewohnheit hat. Und hier wird es dann direkt schwierig: er bekommt es so jeden Tag vorgelebt. Und darauf hinzuweisen, dass man das nicht macht, führt unweigerlich zu Kritik an Uschi, was wir uns ja auf die Fahne geschrieben haben, nicht zu tun. Aber das Messerspitzenablecken kann ich vielleicht auch einfach ignorieren…


Nun zu den anderen Bonusmamas: I

Ich hatte gefragt, wie viele das Thema positiv haben für sich lösen können? Immerhin waren es 43%!

Als Tipp haben sie mir und Dir mitgegeben:


„Sagen „bitte mit geschlossenem Mund kauen“ anstatt „nicht schmatzen““

„Ich habe aufgehört, es anzusprechen… irgendwann werden Freunde es ihm sagen.“

„Das BK ermutigt, dass es das besser kann.“

„Wir waren beide konsequent (sind aufgestanden und an einen anderen Tisch gegangen, wenn es uns zu bunt wurde)“

„Meine Schwiegermutter hat ein Machtwort gesprochen.“

„Radio an und ich esse später. So muss ich nichts hören und sehen.“

„Ich sage immer, wie es ich es mir wünsche und dass es mir wichtig ist. Auch 100x, 100x nicht wegen mangelnden Respekts, sondern weil BK (4) Wiederholungen helfen.“

„Klare Regeln: wer es nicht schafft, sich am Tisch zu nehmen, isst nicht mehr weiter. Da derjenige wohl satt sein muss, wenn er sich nicht auf sein Essen konzentriert.“

„Ansprechen, was stört. Gleiche Ansichten wie Papa.“

„Wir sind von Anfang an mit ihr in Restaurants gegangen und haben ihr immer wieder gezeigt, wie man mit dem Messer schneidet. Irgendwann haben wir es dann nicht mehr übernommen und sie musst es selber machen. Klappt jetzt perfekt.!

„Wir hören immer Kinderlieder beim Essen, so ist er nicht durch seine Gedanken abgelenkt ist. Mich stört es aber auch nicht, wenn er dabei mal mitsingt.“

„Immer wieder angesprochen, alleine essen, nachmachen.“

„Haben wir beiden (eigenes und BK) abgewöhnen könne. Haben selbst mal demonstrativ so gegessen. Das fanden sie dann „voll ekelig“. Seitdem machen sie es nicht mehr.“


Was bei uns übrigens noch bei Tommi geholfen hat, ist das gemeinsame Aufstellen von Tischregeln. Ich hatte dazu damals einfach Regeln bei Google gefunden und diese ausgedruckt. Tommi hatte sie diese dann kritisch angeschaut und noch die Punkt 11.-13. ergänzt, weil er das so aus der OGS kannte. Gar kein Problem – da bin ich total offen für.

Wir haben das gemeinsam getippt, auf farbigem Papier ausgedruckt und Tommi, der damals total viel Spaß daran hatte, hat die Regeln dann noch laminiert, damit man sie immer auf den Tisch legen kann. Falls sie mal dreckig werden, kann man sie nun wunderbar abwischen.


Wer auch noch Tischregeln sucht, hier sind unsere:

1. Hände waschen vor dem Essen

2. Ab dem 4. Lebensjahr wird mit Messer und Gabel gegessen.

3. Am Essenstisch „Bitte“ und „Danke“ sagen.

4. Mit dem Essen wir erst begonnen, wenn alle etwas auf dem Teller haben.

5. Teller nicht überhäufen; sondern lieber später eine zweite Portion nehmen.

6. Nicht mit dem Essen spielen.

7. Nicht schmatzen, schlürfen, schniefen oder schlingen

8. Während des Essens nicht vom Tisch aufstehen.

9. Auf das Essen konzentrieren und nicht nebenher andere Dinge tun oder spielen.

10. Wir sind leise.

11. Beide Hände auf den Tisch und aufrecht sitzen.

12. Das Besteck wird zum Mund geführt und nicht umgekehrt.

13. Nach dem Essen den Tisch abräumen.


Wie ist es bei Dir? Kennst Du es auch, dass Du Dich maximal über die Tischmanieren der Kids aufregst? Wie gehst Du damit um und wie löst Du die Situation für Dich auf? Hast Du vielleicht noch weitere Tipps für andere Bonusmamas?


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