• Bonusmutter Jule

Über das Heimweh

Aktualisiert: 18. März



In vielen Bundesländern sind die Ferien schon wieder vorbei. Wir haben diesen Sommer erstmal vom Thema „Reisevollmacht für Kinder“ gehört, ein Thema, das ich wirklich nur ganz kurz vorstellen möchte, bevor es direkt weitergeht zum Thema Heimweh, das sicherlich verstärkt im langen Sommerurlaub auftritt:


Der ADAC empfiehlt, um Probleme bei der Einreise zu vermeiden, eine Vollmacht mitzuführen, wenn ein Kind ohne oder nur mit einer personenbezogenen Person unterwegs ist. Dies gilt in Europa zum Beispiel für Länder wie Griechenland oder Großbritannien.

Auf der Internetseite des ADAC kann man die entsprechenden Einverständniserklärungen herunterladen werden:

Natürlich kann es auch zu etwas mehr Aufruhr führen, wenn man vom getrennt lebenden Elternteil eine entsprechende Unterschrift erbittet, aber wir fanden die Information ganz sinnvoll, so dass ich entschieden habe, sie hier bekanntzugeben. Vielleicht hat der ein oder andere ja einen Nutzen davon?


Nun aber weiter zum Thema „Heimweh“:

Diese Woche hat mir Bonusmama Nadine geschrieben und es ging um das Thema Heimweh der Bonuskids. Bei Nadine ist es so, dass die Bonuskids (Junge und Mädchen) ca. 600km weit entfernt bei der leiblichen Mutter leben und daher den Papa nur selten sehen. Nadine erzählte mir, dass ihre Bonuskids (eine Junge und ein Mädchen) eigentlich nie mit Heimweh zu kämpfen hatten. Letztes Jahr hatte jedoch die leibliche Mutter Nadine angeschrieben, dass die Tochter wohl Heimweh hätte und ob Nadine einmal nach ihr gucken könnte? Kurz vorher hatte die leibliche Mutter mit der Tochter telefoniert. Nadine hat mit ihrer Bonustochter gesprochen. Sie hatte ihr das Profilbild der Mama ausgedruckt und der Bonustochter einen „Sorgenfresser“ geschenkt. Dort konnte die Bonustochter ihrer Mama kleine Nachrichten schreiben und diese Nachrichten dann zum Ende der Ferien mitnehmen.


Im Nachhinein fragt sich Nadine, was die leibliche Mutter der Bonustochter wohl eingeredet haben könnte? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bonustochter gut ein halbes Jahr später zu ihrem leiblichen Vater ziehen wollte. Nadine vermutet, dass die Kindsmutter vielleicht „darstellen“ wollte, dass die Bonustochter ihre Mutter sehr liebt und hier mögliche Eifersuchtsgedanken ein Grund sein könnten?


Eine Antwort auf die Frage gibt es natürlich nicht, aber es macht deutlich, wie herausfordernd auch Ferien im Patchworkgefüge sein können. Nicht nur die Frage, was, wie und wo man Urlaub macht, sondern auch die Gefühle, die damit einhergehen, wenn die Kinder länger als gewöhnlich von einem leiblichen Elternteil getrennt sind.


Umfrage auf Instagram

Bei einer Umfrage auf Instagram bei @bonusmutter.de gaben 61% der Befragten an, dass ihre Bonuskinder schon einmal mit Heimweh zu kämpfen hatten. Bei den Befragten trat das Heimweh zu 50% während der Ferienzeit und zu 50% außerhalb der Ferienzeit auf.


Die Frage, was beim Heimweh geholfen hat, wurde wie folgt beantwortet:

  • 10%: Kind zurück zum anderen Elternteil

  • 30%: Mit dem anderen Elternteil telefonieren

  • 30%: Viel Ablenkung

  • 30%: Über das Gefühl sprechen und nach Lösungen suchen

Über die Gefühle beim Bonuskind kann man nur spekulieren, weil man oft vielleicht gar nicht genau weiß, wie es dem Bonuskind genau geht und wie und warum es so fühlt, wie es sich fühlt. Manchmal ist es wirklich „nur“, dass der andere leibliche Elternteil vermisst wird; manchmal sind es aber auch andere Gefühle (z.B., dass man sich aufgrund eines Streits o.ä. bei der Bonusfamilie nicht wohl fühlt oder ähnliches), die dann zum Obergefühl „Heimweh“ führen. Teilweise hatten auch Bonusmütter die Vermutung, dass das Heimweh nur vorgespielt war, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen o.ä..

Da man wie gesagt nur Vermutungen anstellen und spekulieren kann, ist es sicherlich interessanter auf die eigene Straßenseite zu schauen, sprich: was macht es mit mir, wenn das Bonuskind Heimweh hat?


Wie hast Du Dich damit gefühlt?

Hier ein paar Antworten von anderen Bonusmamas auf Instagram:

„Besch…eiden“
„Genervt, weil unnötig.“
„Ich fühle mich jedes Mal wie ein Versager, dass ich etwas falsch gemacht habe, etc.“
„Manchmal ist es schwer und ich habe Angst.“

Tommi hat Heimweh

Ich selber kann zu dem Thema nicht viel berichten, da wir bisher nur einmal die Situation hatten, dass Heimweh auftrat.

Wir waren vor circa zwei Jahren (Annika war damals 12 Jahre und Tommi 9 Jahre alt) Sonntag nachmittags auf der Rückreise vom Sommerurlaub in München. Marc war gerade tanken, als ich den Blick auf die Rückbank warf und Tommi unglücklich dreinschauen sah.

Ich fragte ihn, was denn los sei? Er guckte mich traurig an und fragte, wann es denn wieder nach Hause zu seiner Mama ginge?

Ich erklärte ihm, dass wir jetzt erstmal zu uns nach Hause führen und die beiden dann nach einer weiteren Woche zurück zur Mama gingen.

Tommi nickte bedächtig und sagte „hm.“ Ich fragte ihn, ob er seine Mama vermisste und er meinte – den Tränen fast nahe – „ja“.

Ich fragte ihn, ob er denn wüsste, was manchmal helfen würde, wenn man jemanden ganz doll vermissen würde? Er hatte keine Antwort parat, so dass ich ihm vorschlug, dass wir die Mama einfach mal anrufen könnten.

Das fand er eine super Idee und es war beschlossene Sache, dass die Mama angerufen wurde.


Marc kam vom Bezahlen aus der Tankstelle und ich teilte ihm mit, dass Tommi und ich beschlossen hatten, dass ein Telefonat mit der Mama geführt würde, weil Tommi die Mama vermissen würde. Marc war ein wenig betroffen, fand das aber eine gute Idee und schlug daraufhin den Kindern vor, der Mama eine Nachricht zu schreiben und sie zu fragen, ob sie gegen 9 Uhr abends Zeit zum Telefonieren hätte? Dann sollten wir sicher wieder zu Hause sein. Ich war ein wenig irritiert: wozu muss man mit seiner Mutter einen „Termin“ machen, um mit ihr zu telefonieren?


Genau das fragte ich Marc so leise, dass die Kinder es nicht mitbekamen. Er meinte nur, dass ich ihm vertrauen sollte, dass das die beste Lösung wäre. Ich war wahrlich irritiert: Ich selber war als sogenanntes „Schlüsselkind“ groß geworden, d.h. wenn ich nach der Schule nach Hause kam, waren meine Eltern regelmäßig arbeiten. Bei uns galt aber das ungeschriebene Gesetz, dass ich jederzeit meine Mama im Büro anrufen konnte, wenn irgendwas war oder ich auch einfach nur Lust hatte von meinem Schultag zu erzählen oder ähnliches.

Meine selbst gemachten Erfahrungen wichen also von Uschis Vorstellungen ab. Ich versuchte, das Ganze nicht zu bewerten und mir keine weiteren Gedanken darüber zu machen.


Zeitgleich war es mir natürlich auch lieber, dass die Kinder mit ihrer Mutter telefonierten, wenn sie in ihrem Kinderzimmer waren und da von uns ungestört waren. Schließlich finde ich, dass Kindern auch eine gewisse Privatsphäre zusteht und sie ohne, dass die böse Stiefmutter zu hört, mit ihrer Mutter telefonieren können sollen.


Nach langer Fahrt näherten wir uns unserm Zuhause. Marc instruierte die Kinder: „Wir sind gleich zu Hause. Packt bitte schon mal Eure Bücher, Malsachen, Handies usw. in Euren Rucksack, damit das Auto schneller ausgeräumt ist und ihr dann direkt mit Mama telefonieren könnt.“

Daraufhin meinte Annika, dass Mama heute abend keine Zeit hätte, da sie mit ihrer besten Freundin abends einen Filmeabend machen wollte.


Mein Blutdruck stieg.


Verschiebung des Termins

Das Telefonat war auf Montagabend 19 Uhr verschoben. Tommi schien es damit aber gut zu gehen. So ganz verstand ich die „Terminvereinbarung“ jedoch nicht, da Uschi aufgrund langer Krankheit im Hamburger Modell (nur wenige Stunden pro Tag) arbeitete und vermutlich ab 12 Uhr mittags Zeit gehabt hätte, mit ihren Kindern zu telefonieren.


Ich hielt meine Klappe.


Montagabend, als wir gegen 18 Uhr pünktlich beim Abendessen saßen, schlug Marc vor, dass wir noch einen Film gucken könnten, je nachdem, wann das Telefonat mit der Mama beendet sei. Tommi meinte darauf hin, dass Mama doch keine Zeit hätte. Sie würde sich Dienstagvormittag melden.


Marcs Gesicht, das einen Ausdruck zwischen Sieben-Tage-Regenwetter und Saure-Gurken-Zeit, annahm, sprach Bände. Neben der Tatsache, dass es für uns nicht nachzuvollziehen war, dass man nicht die Zeit fand, mit seinen Kindern zu sprechen, durchkreuzte diese „Terminvereinbarung“ unsere Planung für den Dienstag. Geschenkt.


Dienstags wurde dann das Telefonat tatsächlich durchgeführt: Uschi war auf der Arbeit und musste dann aber nach 15 Minuten das Gespräch beenden, da sie „Feierabend“ hatte und nach Hause fahren wollte.


Für die Kinder war es ausreichend, dass sie diese 15 Minuten mit ihrer Mutter hatten, was natürlich für uns auch gut war, da somit das Heimweh „erledigt“ war.


Für mich war es allerdings eine große Übung, Uschi nicht dafür zu bewerten, dass sie sich anders verhielt als das, was ich gewohnt war.

Darüber hinaus habe ich nicht viel gefühlt. Für mich war es in dem Zusammenhang nicht schlimm gewesen, dass Tommi Heimweh hatte. Ich fand es schon fast natürlich und hatte mich ehrlich gesagt immer eher ein wenig gewundert, dass die Kinder drei Wochen Abwesenheit von ihrer Mutter so unemotional verarbeitet hatten. Weiß ich doch aus eigener Erfahrung, dass ich stets bei einer Woche Oma-Opa-Urlaub in den Sommerferien, selber meine Eltern des Öfteren anrief.


Der andere Elternteil

Im Zuge der Erstellung dieses Artikels habe ich mit Marc darüber gesprochen. Er sagt, dass er es für ihn als Vater gefühlt als schlimmer ansieht, wenn die Kinder Heimweh haben und es ihn vermutlich trauriger stimmt als mich. Für uns kann ich das definitiv bejahen.


Marc sagte, dass er sich auch fragt, warum die Kinder möglicherweise Heimweh haben, ob es ihnen bei uns nicht gefällt und die noch viel schwieriger zu beantwortende Frage, ob und wie viel die Kinder ihn denn eigentlich vermissen, wenn er nicht da ist und sie bei ihrer Mutter sind?

Auch hier gibt es wieder keine General-/Standart-Antwort bzw. müssten wir die Bonuskinder fragen, wie sie sich fühlen.


Mit den Bonuskindern zu reden ist aus meiner Sicht die beste Variante, um die Situation gut aufzulösen: Was genau vermissen die Bonuskinder?


Manchmal sind es nur die Cornflakes, die es bei Mama gibt, aber nicht beim Papa, die ein schlechtes Gefühl auslösen! Da kann man schnell Abhilfe schaffen.


Manchmal vermissen die Bonuskinder den anderen leiblichen Elternteil, mit dem sie ja sonst vielleicht auch viel Zeit verbringen. Ich glaube das ist ganz natürlich und man kann versuchen, sich an seine eigenen Urlaubsreisen ohne die Eltern erinnern, wie es einem da selber mal ergangen ist.


Am besten grenzt man sich aber selber von den Gefühlen dergestalt ab, dass man sich klar macht, dass man selber nicht „schuld“ daran ist, dass das Bonuskind Heimweh hat. Man hat sicherlich alles getan, damit das Bonuskind sich wohlfühlt. Wenn das nicht funktioniert, dann kann man beim nächsten Mal schauen, wie man es vielleicht anders machen kann.



Welche Erfahrungen hast Du in dem Bereich bereits sammeln dürfen? Hatte Dein Bonuskind schon Heimweh? Wie bist Du oder seid Ihr damit umgegangen und was hat dem Bonuskind geholfen? Hast Du vielleicht Tipps und Tricks?

Ich bin gespannt auf Deine Erlebnisse, Erkenntnisse und Anekdoten und freue mich über Deine Kommentare, Emails oder Anrufe.


Dich interessieren die hier vorgestellten Bonusmütter oder Themen über diesen Artikel hinaus? Oder Du möchtest z.B. mehr über Teeniemädchen Annika erfahren? Dann klicke auf die Tags unterhalb des Artikels und Du bekommst alle Artikel, die ich zu dem Thema geschrieben habe, angezeigt!


Abonniere auch gerne meinen Newsletter, in dem es weitere interessante Infos und Buchtips rund um das Thema "Bonusmutter" gibt. Trage dazu einfach unten in das Abo-Formular Deine Email-Adresse ein und Du wirst fortan auch über neue Blog-Artikel informiert. Auch werden hier Termine für ein Treffen zum

Austausch der Bonusmütter/ Stiefmütter bekannt gegeben.


Hinweis: Der nächste Stiefmutterstammtisch findet am Donnerstag, den 19.08.2021 in Köln statt. Wenn Du Lust hast, dabei zu sein, melde Dich einfach bei mir!

140 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Über die Ohnmacht