• Bonusmutter Jule

Über die Liebe

Aktualisiert: 22. März



Weihnachten, das Fest der Liebe ist vorbei und man geht dem neuen Jahr entgegen. Doch halt – Moment! – war Weihnachten wirklich das Fest der Liebe?

Ist das Weihnachtsfest doch auch in „normalen Familien“ oft eine Zerreißprobe und das alljährliche Wiedersehen der Familie zu Weihnachten wird zum drei-tägigen Überlebenscamp? Warum sollte es dann in Patchworkfamilien anders sein?


Schon vor den Weihnachtstagen machen wir uns Sorgen: das Bonuskind hat sich am 10.12. verabschiedet und wird Weihnachten mit der leiblichen Mutter in den Skiurlaub fahren. Bonusmama Ramona atmet tief durch und freut sich „Byebye bis 2022!“. Doch plötzlich gibt es an der Corona-Front Neuigkeiten: Länder werden als Risikogebiete eingestuft, was eine Hin- und Rückreise schwierig macht. Alles steht wieder in Frage: wird das Bonuskind vielleicht doch mit unterm Weihnachtsbaum sitzen? Ramona hat noch mal Glück gehabt. Das Bonuskind ist glücklich verreist und wird sie erst in 2022 wieder mit einem Besuch beehren.


Auch Bonusmama Nadine schreibt am 23.12.: „Weihnachten wird ganz anders sein als geplant. Mein Mann wollte die 600km weit entfernt lebenden Bonuskinder abholen und als er nach 300km die Mutter und die Kinder trifft, teilt das älteste Kind, sein 15-jähriger Sohn, mit, dass er Weihnachten nicht zum Vater kommt.“ Während die Bonusmutter über diese Information schnell hinweg kommt, ist es der leibliche Vater ziemlich traurig. Der ist nämlich einige Tage sehr enttäuscht, weil er befürchtet, dass nun der Kontakt ganz abbricht. Auch nicht leicht, für den Rest der Familie, die Stimmung hochzuhalten und dem Vater Hoffnung zu machen, dass es bestimmt oder auch nur vielleicht ganz anders kommt.


Bei uns ist auch alles ganz schön geplant gewesen: die Kinder feiern Heiligabend mit ihrer Mutter und kommen am ersten Weihnachtstag für die gemeinsame Weihnachtsfeier meiner Familie zu uns. Allerdings schlägt bei Familienangehörigen der Magen-Darm-Virus zu (ja, so was gibt es ja heutzutage auch noch und nein – das möchte sich nun wahrlich niemand einfangen), so dass die gemeinsame Weihnachtsfeier abgesagt wird. Man ist traurig, kann es aber verstehen und hofft auf ein Nachholevent.

Es kommt jedoch anders: alle Geschenke werden am 25.12. ausgetauscht und es wird deutlich, dass die Familie anscheinend keinen Wert darauf legt, Weihnachten mit Annika und Tommi, Marc und mir nachzufeiern. Ich bin enttäuscht.


Marc – der Optimist und grundsätzlich nicht alles so schwarz Seher – kontaktiert meine Mutter und fragt, wann wir das Weihnachtsgeschenk der Kinder für sie vorbeibringen können? Meine Mutter willigt ein und wir reisen am zweiten Weihnachtstag mit Geschenk im Kofferraum und Stollen in der Handtasche an. Zur Not habe ich noch ein Kartenspiel dabei, obwohl der Plan ist, nicht lange zu bleiben. Wir schlemmen gemeinsam Kekse und Stollen und nach anderthalb Stunden verabschieden wir uns.

Für mich ist zumindest die Form gewahrt: Weihnachten mit der Familie gefeiert – wenn auch kurz – Haken auf der To-Do-Liste


Wie es sich für jede gute Führungskraft gehört, findet natürlich ein Feedbackgespräch statt: Meine Mutter fand das Treffen auch nett, allerdings bleibt ein Satz von ihr in meinem Kopf hängen: „Nun ja, die Kinder reden ja nur mit Marc und man sitzt dann wie ein Unbeteiligter daneben.“


Ich bin überrascht, dass sie es so empfunden hat, denn ich hatte das Gefühl bei unserem Get-together nicht. Natürlich muss ich zugeben, dass ich das Gefühl auch kenne. Denn das Gefühl habe ich eigentlich bei fast jedem Essen: Marc und die Kinder diskutieren über Anime, Superhelden und StarWars – Themen, die nicht zu meinem Key Competences gehören. Ich sitze dann meist daneben und höre zu oder je nachdem (wenn es grad ein entspanntes Frühstück ist) lese Zeitung.


Aber interessant, dass meine Mutter es so empfunden hat.

Ich weiß auch keine Antwort auf den Satz. Schließlich gibt es da keine Lösung. Ich kann sie irgendwie verstehen, dass sie daher vielleicht auch wenig Lust auf gemeinsame Treffen hat? Oder gibt es vielleicht doch eine Lösung?


Generell ist es eine spannende Frage: muss sich erst der andere für mich interessieren, bevor ich mich für ihn interessiere?

Was würde es sie oder jeden anderen kosten, sich für den anderen zu interessieren und einfach nur zuzuhören? Und vielleicht interessierte Fragen zu stellen?

Während ich diese Worte schreibe, packe ich mir gedanklich an die eigene Nase.


Warum verlange ich denn eigentlich mehr von meiner Mutter als ich es selber bereit bin zu geben? Für sie sind es die Kinder des Partners der Tochter, die sie einmal im Vierteljahr (wenn überhaupt) zu sehen bekommt. Warum erwarte ich von ihr, dass sie interessiert zuhört und Nachfragen stellt, während ich selber doch oft nicht bereit bin, genau das zu tun und mich damit rausrede, dass „dieser Mangakram mich nicht interessiert.“


Interessant ist auch der Gedanke, dass wir ja von den Kindern das gleiche erwarten: „Rede doch mit Oma und interessiere Dich für ihre Erlebnisse.“ Während man selber von Oma nicht das Gleiche erwartet!?


Irgendwie dreht man sich doch immer im Kreis um das liebe Thema „Mangel und Fülle“.


Wenn ich auf dem Standpunkt stehe, dass ich selber zu wenig bekomme, nicht gesehen werden, nicht gehört werde, bin ich im Mangel. Wenn ich im Mangel bin, kann ich selber nichts geben und werde tendenziell das Gefühl des Mangels verstärken. Eine leere Tasse kann man bekanntlich nicht ausschütten.


Wenn ich auf dem Standpunkt der Fülle stehe und weiß, dass ich alles bekomme, was das Universum für mich vorgesehen hat, dass ich gesehen werden und gehört werde, dann kann ich selber Fülle geben. Fülle in Form von: „Hey, ich interessiere mich für Dich. Die Themen, die Du toll findest, find ich zwar komisch, aber ich höre zu. Denn so lerne ich auch neue Dinge kennen, die möglicherweise mein Leben, aber zumindest mein Wissen bereichern.“

Wenn ich in der Fülle bin, dann kann ich geben und werde in return auch viel zurück erhalten.

Oder: wenn ich mich selbst liebe, dann kann ich auch viel Liebe zurückgeben.


Mit diesen Worten möchte ich dann dieses Jahr auch beenden.

Ich danke Dir für Deine Treue und wünsche Dir von ganzem Herzen alle Fülle und damit Liebe dieser Welt für Dein erfülltes 2022!


Wie ist es bei Dir? Kennst Du das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein? Was fühlst Du dann? Wie gehst Du in solchen Situationen damit um? Und was hat Dir eventuell schon mal aus der Gefühlsschleife rausgeholfen?


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