• Bonusmutter Jule

Über die Terminplanung mit der unsichtbaren Macht

Aktualisiert: 18. März



Ich schreibe an diesem Samstag morgen gerade diesen Artikel, während Marc auf dem Weg ist, die Kinder abzuholen. Dies kam jetzt irgendwie überraschend, obwohl eigentlich Kinderwochenende gewesen wäre. Aber von vorne – was war dieses Mal passiert?


Generelle Terminabsprachen

Grundsätzlich gibt es ja in Patchworkfamilien unterschiedliche Arten, die Termine abzusprechen. Bei einer gut befreundeten Bonusmama ist es beispielsweise so, dass es ein Treffen im Oktober/ November gibt, zu dem sie, ihr Mann, dessen Uschi sowie der leibliche Vater ihrer Kinder mit seiner Partnerin erscheinen. Man stimmt dann ein Jahr im Voraus ab, wann die Kinder (sowohl ihre leiblichen sowie ihr Bonuskind) wie, wo sind und wann wer mit wem in den Urlaub fährt. Das hat sich inzwischen so etabliert, dass an dem System auch weiterhin festgehalten wird, obwohl die Kinder und Bonuskinder inzwischen volljährig sind.


Bei uns ist es so, dass es einen fix eingestellten 2-wöchigen „Termin“ im Kalender gibt, an dem die Kinder bei uns sind. Nur in wirklichen Ausnahmefällen (z.B. 1x im Jahr für den Skiurlaub) streben wir eine Verschiebung bei Uschi an, weil es uns schon oft viel Zittern und Bangen bereitet hat, wenn man aus Versehen Konzertkarten gekauft hat und jetzt auf das Wohlwollen von Uschi angewiesen ist, dass sie einer Verschiebung gnädig zustimmt.


Ein Babysitter ist natürlich auch immer eine Möglichkeit, jedoch ist das ja gerade nicht Ziel des Umgangswochenendes, dass man nicht für die Kinder da ist. Daher versuchen wir stets unserer sonstigen Aktivitäten als Paar tunlichst auf das Wochenende zu legen, an dem die Kinder – zumindest lt. Plan - bei Uschi sein sollten.


Die Urlaubswochen

Auch für die Urlaubswochen verhalten wir uns absolut defensiv und überlassen Uschi die freie Wahl. Dass das zuweilen nicht ganz einfach ist, liegt auf der Hand. Zumal unserer Uschi auch erst immer relativ spät mit Informationen rüberkommt.


So wissen wir aktuell auch nicht, wie denn Weihnachten wohl ablaufen wird, obwohl wir von anderer Seite der Familie schon mehrfach drauf angesprochen wurden. Aufs Marcs Anfrage an Uschi, wie sie denn gerne die Weihnachtsferien planen würde, kam nur die Antwort, dass „sie ja auch mal gerne die Kinder die erste Weihnachtsferienwoche hätte, aber das wäre ja schon voll mit Weihnachten.“


Was sie uns genau damit sagen wollte, ist unklar. Die Kommunikation diesbezüglich steht aktuell an diesem „Dead End.“


In der Vergangenheit war es meistens so, dass die Kinder vor Weihnachten bei uns waren (insbesondere der Tatsache geschuldet, dass Marc zwei Tage vor Weihnachten Geburtstag hat) und dann an Heiligabend zu Uschi gebracht wurden. Am 1. Weihnachtstag wurden sie dann wieder abgeholt und Marc hat sie dann bis Silvester – oder in manchem Jahr je nach Stimmung der Uschi – auch erst wieder zum Ferienende zurückgebracht.


Wir sind weiterhin gespannt, wie es wohl dieses Jahr sein wird?


Die Umgangswochenenden

An den Umgangswochenenden holt Marc die Kinder meistens um 18 Uhr (oder später – je nachdem, ob Corona ist oder nicht und Fußballtraining stattfindet oder nicht) freitags ab. So auch aktuell, um einfach dem Freitagsverkehr in NRW zu umgehen.


Diesen Freitag kam gegen 12 Uhr die Info, dass Annika nachts schlecht gewesen sei und sie nicht in der Schule gewesen war. Uschi müsste erst noch abwarten, wie sich das Ganze entwickele.


Gegen 15 Uhr kam dann die Info, dass es Annika noch nicht wieder besser ginge und es wohl das Beste sei, dass die Kinder dieses Wochenende bei Uschi blieben. Das sahen wir genauso und Marc schlug vor, ob wir die Kinder dann am nächsten Wochenende haben könnten.


Uschi fiel jedoch ein, dass da Nikolaus sei und sie teilte Marc mit, „dass er ja eigentlich von ihrem Ritual an Nikolaus wüsste und das dann wohl ausfallen müsste.“ Die Aussage wurde von einem traurig guckenden Smilie begleitet.

Ich fand es nur recht und billig, dass Marc nach 4 Jahren vielleicht auch mal das Recht hätte, „das Ritual“ mit den Kindern zu machen, aber das war nicht das, was Uschi im Sinn hatte.


Kommunikation mit Uschi

Annika bekam abends noch eine Vomex-Tablette und um 20 Uhr wurde verkündet, dass es Annika wieder blendend ginge. Ich hatte schon vorher mit Marc gemeinsam vermutet, dass es sicherlich wieder eine Spontanheilung geben würde, wie wir das erst vor zwei Wochen bei der vermeintlichen Corona-Erkrankung der Kids bereits miterlebt hatten.


Uschi teilte mit, dass sie ja eigentlich auch das Wochenende über Fenster putzen und die Wohnung weihnachtlich schmücken wollte, was jedoch nicht ginge, wenn sie die Kinder zu bespaßen hätte. Sie würde sich dann Samstag vormittag überlegen, was passieren sollte.


Marc wies noch kurz darauf hin, dass es für ihn (da er ja 100 km zu den Kindern fährt), nett wäre, wenn er vielleicht Samstag morgens bereits wüsste, wie der Tag ablaufen würde. Das konnte Uschi natürlich nicht liefern, da ja (verständlicherweise) geschaut werden musste, wie es Annika ginge.


Gegen 8:30 Uhr am Samstag morgen erhielten wir die Nachricht, dass Marc die Kinder am Samstag abholen könnte (Anmerkung der Redaktion: wir gehen nicht davon aus, dass Annika schon wach war und somit auch keine Begutachtung des Gesundheitszustands durch Uschi erfolgt ist). Es wurde vereinbart, dass Marc die Kinder um 12 Uhr abholen würde.


Kurz bevor Marc losfahren wollte, erhielt er die Frage, ob es auch in Ordnung wäre, wenn er die Kinder erst um 13 Uhr abholt. Marc antwortete, dass das kein Problem wäre und ergänzte noch spaßeshalber „Aber nicht später als morgen 16 Uhr. Sonst lohnt sich das nicht mehr.“ – gefolgt von einem Smilie, das Tränen lachte.


Uschi antwortete darauf hin, dass sie das jetzt nicht verstehe und sie ja nur fragen wollte, ob 13 Uhr möglich wäre, da sie in Verzug geraten sei. Für sie wäre jetzt doch 12 Uhr in Ordnung.


Zu dem Zeitpunkt – Uschi pflegt nur unregelmäßig ihre Nachrichten zu lesen (böse Zungen behaupten, sie würde den Ex absichtlich warten lassen, bevor sie antwortet), wäre es Marc aufgrund der Fahrtzeit eh nicht mehr möglich gewesen, pünktlich um 12 Uhr da zu sein.


Marc erklärte ihr, dass es ein Witz gewesen sei (worauf auch das Smilie hingedeutet hätte) und er dann jetzt um 13 Uhr käme, wenn das noch passen sollte. Das war dann in Ordnung.

So kommen die Kinder nun zu einem verkürzten Besuchswochenende, an dem wir die Weihnachtsdekoration herausholen und dabei Weihnachtslieder hören und Plätzchen backen werden, bis es dann Sonntag um 17 Uhr wieder zurück geht zu Uschi, die das Gleiche (nur mit etwas „Ruhe“ und „Zeit für sich“) dann auch erledigt hat.


Umgang mit spontanen Planänderungen

Als Nicht-Mutter war ich am Anfang unseres Abenteuers schon immer ein wenig irritiert, wenn Pläne spontan umgeworfen wurden, weil es Tommi oder Annika wegen irgendwelcher Schmerzen nicht gut ging oder spontan Kindergeburtstage von Freunden aufploppten, die noch in der Planung berücksichtigt werden mussten. Kinder sind da kein Uhrwerk und vieles ist nicht planbar.


Als Kontrollfreak war das am Anfang schon eine Riesenherausforderung, einfach nicht zu wissen, wo man in zwei Monaten in den Urlaub hinfährt oder wie das Wochenende abläuft.


Beste Anekdote hierzu war der Sommer 2018, als Uschi die ersten drei Wochen der Sommerferien die Kinder hatte und wir die letzten drei Wochen. Wir beschlossen dann in der zweiten Ferienwoche endlich Urlaub zu buchen, weil es so schien, als würden die Kinder wirklich kommen (damals war eine sehr, sehr „wilde“ und anstrengende Zeit mit Uschi…).


Wir buchten Dienstagabend anderthalb Wochen Urlaub im Schwarzwald. Mittwoch morgen rief mich Marc im Büro an (das hatte er vorher noch nie und nachher nie wieder gemacht!) und teilte mit, dass die Kinder nun doch nicht kämen, weil Uschi spontan eine Mutter-Kind-Kur genehmigt bekommen hätte und dann die Kinder auch die letzten drei Ferienwochen hätte.

Wir hatten immerhin Glück und konnten den Urlaub stornieren.


Seitdem habe ich mir angewöhnt, meine Urlaube im Büro stets mit einem „?“ zu versehen, so dass die Wochen vorsorglich geblockt sind, aber man auch jederzeit den Blocker wieder rückgängig machen kann. Meinem extrem flexiblen und gutmütigem Arbeitgeber sei an dieser Stelle gedankt.


Uschi ist es regelmäßig total egal, ob Marc oder ich berufliche Termine haben oder ob man sonst irgendwelche Vorkehrungen getroffen hat, was man möglicherweise mit den Kindern unternehmen will. Daher haben wir uns inzwischen auch angewöhnt, nur im Notfall verbindliche Tickets für den Zirkus, das Kino oder den Freizeitpark im Voraus zu buchen. Schließlich kann immer was Unvorhergesehenes (oder Uschis Stimmung) dazwischen kommen…


Manchmal, gerade in Coronazeiten, wo alle über die Unvorhersehbarkeit der Zukunft und die mangelnde Planbarkeit schimpfen, klopfe ich mir heimlich, still und leise auf die Schulter.

Denn hey: das Gefühl der Ungewissenheit und die Tatsache, dass eine unsichtbare Macht stets (bewusst oder unbewusst) Dein Leben mitbestimmt, ist einer Bonusmutter bestens bekannt.

Man hat mit der Zeit gelernt, sich spontan auf jede (und hiermit meine ich wirklich JEDE!) Situation einzulassen, die auch kommen mag!


Nach diesem (zugegeben etwas fiesen bzw. bösartigen) Vergleich wünsche ich Euch in diesem Sinne ein wunderschönes erstes Adventswochenende mit vielen schönen Momenten!


Lasst mir gerne Kommentare dar, wie es bei Euch ist? Wie findet Eure Besuchszeitenplanung statt? Wie sehr hält sich Eure Uschi dran oder wie sehr haltet vielleicht auch Ihr Euch dran? Wie geht Ihr mit spontanen Planänderungen um? Oder bekommt Uschi von Euch auch öfter mal ein „Veto“? Welchen Weg habt Ihr für Euch gefunden, um Euch nicht über ein mögliches „Hin und Her“ unnötig aufzuregen? Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.


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