• Bonusmutter Jule

Über die Nähe in der Partnerschaft

Aktualisiert: 18. März



Letzte Woche hat mir die liebe Bonusmama Petra geschrieben. Sie war neu auf meinem Blog und fragte, ob ich schon mal einen Artikel zum Thema Nähe geschrieben habe? Obwohl es natürlich irgendwie auch immer um Nähe zum Partner geht, ist es tatsächlich so, dass ich noch keinen eigenen Artikel darüber geschrieben habe.


Um in das Thema zu starten, habe ich eine kurze Umfrage auf Instagram gemacht.

Danach fühlen sich 70% der Befragten ihrem Partner ausreichend nah.

Die Frage zielte auf kein absolutes Ergebnis ab, denn was „ausreichend nah“ ist, entscheidet jeder individuell: bei dem einen sind es 2 Stunden Nähe am Tag, bei dem anderen reichen 10 Minuten. Nach der Umfrage fühlten sich 70% ihrem Partner aus ausreichend nah – was meines Erachtens schon ein ganz zufriedenstellender Wert ist und nach glücklichen Patchworkpaaren klingt.


Was allerdings im Widerspruch zur vorangegangenen Frage erscheint, ist das Ergebnis auf die Frage, ob sich der/die Befragte manchmal mehr Nähe wünschen würde? Hier gaben

60% der Befragten an, dass sie sich manchmal mehr Nähe wünschen würden.

Also, Ladies und Gentlemen – da geht noch was!


Vielleicht sollten wir aber mal klären, was Menschen eigentlich unter Nähe verstehen?

Auf die Frage, wie man Nähe zum Partner herstellt, antworteten die Befragten wie folgt:

38% Reden 54% Kuscheln 8% Sonstiges

Als Erläuterung, was mit „Sonstiges“ gemeint ist, erhielt ich folgende Antworten:

- Indem ich aufmerksam bin, wie es im geht und ihm kleine Gesten zukommen lasse

- Kuscheln, reden, gemeinsame Ausflüge

- Wir bereden gerne bei einer Tasse (Tee/Kaffee/Wein?), was bei uns gerade los ist.

- Wir schaffen uns Zeit ohne Kinder.


Als ich das so las, wurde ich direkt an das Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman erinnert (zur Buchrezension geht es hier entlang).


Gary Chapman vertritt die Theorie, dass jeder Mensch eine oder manchmal auch zwei Sprachen der Liebe spricht. Und nur, wenn der Partner die gleiche Sprache spricht, kommt das „Gesagte“ auch bei ihm an.


Wie ist das genau zu verstehen?

Ich zum Beispiel fühle mich besonders geliebt, wenn mein Partner anerkennt, was ich tue. So lange mein Partner die gleiche Sprache der Liebe spricht und mir dementsprechend ausreichend Anerkennung gibt, ist alles gut. Wenn jedoch mein Partner eine andere Sprache der Liebe spricht, kann es schwierig werden. Wenn z.B. mein Partner die Sprache der Geschenke als Sprache der Liebe spricht, dann wird er mich mit Geschenken zuschmeißen, um mir zu zeigen, wie viel ich ihm bedeute. Ich nehme das zur Kenntnis, aber fühle mich nicht so sehr geliebt, denn mir wäre es wichtiger, dass er anerkennt, was ich tue. Ich bin dann in der Folge unzufrieden und vermutlich ist auch mein Partner irgendwann enttäuscht, wenn er merkt, dass seine Geschenke nicht gut ankommen, obwohl er sich doch so viel Mühe damit macht. Beide sind frustriert.


Um dem vorzubeugen, macht es durchaus Sinn einmal zu erforschen, was die eigene Sprache der Liebe ist und welche die des Partners ist.

Denn nur dann kann ich, wenn ich meinem Partner meine Liebe zeigen möchte, ihn optimal in seiner Sprache ansprechen.

Als Sprachen der Liebe kommen nach Gary Chapman in Betracht:


1. Sprache der Anerkennung 2. Sprache der Geschenke 3. Sprache der Unterstützung 4. Sprache der gemeinsamen Zeit 5. Sprache der physischen Berührung

Man muss natürlich nicht selber rumraten, was denn nun die eigene Sprache der Liebe ist, sondern kann ganz praktisch einen Test im Buch bei Gary Chapman machen. Und wie gesagt – idealerweise - auch direkt der Partner mit.


Ich habe so erfahren, dass Marcs Sprache der Liebe neben der Berührung auch die Sprache der gemeinsamen Zeit ist. Das wissend kann ich mich dann auch eher schon mal motivieren, nach einem langen Arbeitstag, wenn Marc spontan vorschlägt, gemeinsam aus essen zu gehen, dem zu folgen. Denn so weiß ich, dass ich, indem ich seine Sprache der Liebe spreche, ihm zeigen, wie wichtig er mir ist und er versteht das auch entsprechend.


Also, auf jeden Fall ist das Buch empfehlenswert, wenn Du mit Deinem Partner die gleiche Sprache sprechen möchtest und damit die Qualität der Beziehung verbessern möchtest.


Zurück nun aber zum Thema „Nähe in Partnerschaft“:

Eine gewagte These, die ich schon mehrfach gehört habe (z.B. beim Coaching bei Dana Schwandt oder der Contextuellen Coaching Akademie), die für mich absolut Sinn macht und die ich gerne mit Dir teilen möchte, ist die folgende schlichte Gleichung:


Reden = Nähe = Sex

Was ist damit gemeint?

Frauen erzeugen in der Regel Nähe zu anderen Menschen durch reden. Wenn ich mich mit jemanden ausgetauscht habe, bin ich ihm in der Regel näher als wenn ich das nicht getan habe. Was vermutlich für Frauen auch gar nicht funktioniert, ist, dass mich jemand berührt und ich mich ihm dadurch nah fühlen soll. Meistens wird dann eher das Gegenteil der Fall sein.

Die Tatsache, dass reden ein Frauen-Ding ist, ist evolutionär bedingt: während die Männer in der Steinzeit allein unterwegs waren und Tiere erlegt haben, waren die Frauen daheim in der Gruppe. Ihre Aufgabe war es neben dem Versorgen der Familie ein Netzwerk zu den anderen Frauen aufzubauen. Man konnte nur dann überleben, wenn man sich mit den anderen Frauen verbündet hat und dies funktionierte nun mal über Kommunikation, sprich reden. So wurde man auch informiert, wenn Gefahren der Gruppe drohten und man sich schützen musste.

Und auch heute ist es noch so, dass wir als Frauen uns wohlfühlen, wenn wir mit anderen Menschen sprechen können. Wir können Nähe zu anderen Menschen aufbauen und fühlen uns nicht mehr einsam.

Wer schon einmal Liebeskummer hatte und sich einen Abend bei seiner Freundin ausheulen durfte, weiß wovon ich spreche.


Männer hingegeben müssen nicht viel reden und legen in der Regel auch nicht sonderlich viel Wert darauf. Wer schon einmal zwei best Buddies schweigend in einer Bar nebeneinander hat sitzen sehen, wird das bestätigen. Gleiches gilt übrigens auch beim Fussballgucken o.ä. Während Frauen beim gemeinsamen GNTM-Schauen gerne 90 Minuten durchquatschen, beschränkt sich das männliche Kommunikationsverhalten während eines Fussballspiels auf die Worte: „Robert, Du auch noch nen Bier?“

Männer werden also vermutlich eher nicht tiefschürfende Gespräche mit ihrer Partnerin benötigen, um Nähe zu spüren. Ich sage hiermit nicht, dass es nicht auch für Männer schön sein kann, sich mit seiner Frau auszutauschen, aber für das Empfinden von Nähe beim Mann hilft meistens die körperliche Berührung mehr.


In der oben stehenden Gleichung steht plakativ das Wort Sex, was aber für jegliche körperliche Berührung steht. Denn Männer haben (bzw. sollten) exklusiv nur mit ihrer Partnerin die Möglichkeit (haben), körperliche Berührung zu erfahren.

Während wir Frauen tagelang die lieben Kleinen schmusen (insbesondere im Kleinkindalter) oder aber auch Arm in Arm mit der Freundin durch die Stadt schlendern, ist das für Männer ein eher ungewöhnliches Verhalten. Ich sage hiermit nicht, dass Männer nicht mit ihren Kindern schmusen dürfen, sondern dass in unserer Welt auch heute vielfach so ist, dass die Frauen zu Hause bleiben und die Kinder hüten, während die Männer arbeiten gehen. Die ein oder andere Leserin mag mir jetzt vorwerfen, dass mein Schubladendenken im letzten Jahrtausend stehen geblieben ist, aber spätestens bei der Frage, ob ein Mann die 4-jährige Freundin seiner Tochter, die sich beim Übernachtungsbesuch vollgekotzt hat, ausziehen sollte, werden die ein oder anderen die Augenbrauen hochziehen und anerkennen, dass das Maß an körperlicher Berührung zwischen Männern und Kinder nicht so einfach zu definieren ist.


Spätestens aber beim Thema „stillen“ ist die Antwort biologisch gesehen eindeutig: Die Frau hat ständig Kontakt und körperliche Berührung zu dem Säugling und ist am Ende des Tages froh, wenn sie im Bett liegt und kein Kind (ihr Säugling oder größere Geschwister) an ihr hängt. Einfach mal nur sie selbst sein… bis sich der Partner von hinten an sie ranschmiegt und „mehr will“. Sie ist maximal genervt, weil sie einfach mal niemanden an ihrem Körper haben möchte und er sehnt sich nach Nähe.

Denn er kann Nähe nicht dadurch aufbauen, dass er abends bei einem Glas Wein mit ihr über seinen Tag spricht, sondern für ihn bedarf es der körperlichen Berührung. Daher hilft es meist mehr, wenn er einen anstrengenden Tag hatte, mit ihm zu kuscheln, ihn zu umarmen oder ihn zu massieren, als ihn in guter Frauenmanier auszuquetschen, was denn so scheiße im Büro war und das am besten noch mit ihm auszudiskutieren. Wird der ein oder andere Mann machen, aber er wird sich Dir damit nicht näher fühlen. Vermutlich wird er eher genervt sein (die ein oder andere Leserin mag das bestätigen, dass Männer meist keine Lösungsvorschläge von uns Frauen benötigen oder gar hören wollen).


Du glaubst es nicht mit der körperlichen Berührung? Dann versuche es doch einfach mal! Und berichte gerne über Deine Erfahrungen!


Und die Frau, die vielleicht genervt sagt: „Ständig will er nur Sex.“ kann sich übrigens nun entspannt zurücklehnen und freuen, denn ihr Partner möchte nur Nähe zu ihr. Und was gibt es eigentlich Schöneres, als wenn Dein Partner mehr Nähe zu Dir möchte?


Vielleicht auch noch ein Hinweis für die Bonusmamas, die mit dem Mini-Wife-Syndrom (hier geht’s zum Artikel) zu kämpfen haben: Sex und viel körperliche (intime) Berührung ist Dein Exklusivrecht, das Deine Bonustochter nicht hat und somit Deine Chance, noch mehr Nähe zu Deinem Partner aufzubauen und die Mini-Wife in ihre Schranken zu weisen. Im Bett hast nur Du das Sagen!


Ansonsten habe ich erst letztens gehört, dass man seinen Partner mindestens acht (!!) Mal am Tag fest umarmen sollte. Auch hier bin ich auf Eure Feldversuche gespannt!

In diesem Sinne: frohes Umarmen.



Wie ist es bei Dir? Hast Du Dir auch schon mal gedacht, dass Du Dir total viel Mühe gibst, aber es kommt bei Deinem Partner nicht wirklich an? Oder Du sehnst Dich nach Nähe und irgendwie will es nicht funktionieren? Welche Erfahrungen hast Du zu dem Thema bereits gemacht? Und was hälst Du von der Gleichung "Reden = Nähe = Sex"?


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