• Bonusmutter Jule

Über die Finanzen (Teil III) - Euros sind Emotionen

Aktualisiert: 18. März



Vor ein paar Wochen habe ich mit Ulla Grans, Coach für Patchworkfrauen (hier geht's zu Ullas Internetseite), über das Thema Finanzen gesprochen und ein Satz, den sie gesagt hat, ist mir dabei besonders im Kopf geblieben:

„Das €-Zeichen steht nicht für Euros, sondern für Emotionen.“

Zahlen haben den charmanten Vorteil, dass sie alles messbar machen. Beim Thema Geld kann man auf Heller und Pfennig schauen, ob etwas gleich verteilt wurde und wie groß die Ungerechtigkeit ist. Und wie viel man mehr zahlt, als man müsste. Zahlen lügen nicht.

Und die Waage zeigt das gefühlte Ungleichgewicht zwischen „Schau, was ich leiste“ und „Maß der Dankbarkeit, das ich erhalte“ endlich eindeutig an. Der Beweis ist da!


Oft ist es doch so, dass man als Bonusmutter oder Stiefmutter das Gefühl hat, man gibt und tut und macht und keiner bekommt es mit (von danken spreche ich schon gar nicht). Neben all der Zeit (und in manchen Fällen sogar Liebe), sauberer Wäsche, warmen Essen, Geschenken, und vielem mehr, gibt die Bonusmutter auch: Geld.


Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich lange nicht darüber nachgedacht habe. In der ersten Verliebtheitsphase war eh alles egal und das Thema wurde erstmals „zum Thema“ als der erste gemeinsame Urlaub anstand. Wir fuhren zwei Wochen mit den Kindern in der Hochsaison in ein 4-Sterne-Hotel. Hier stellte sich mir dann irgendwann die Frage, wie viel ich denn eigentlich zahlen sollte? Marc hatte es damals nicht angesprochen, sondern ich habe vielmehr vorgeschlagen, dass ich ihm meinen Anteil (d.h. ein Erwachsener mit Halbpension im Familien-Appartment) überweise. Das war für ihn in Ordnung. Mehr noch: es war eine deutliche Entlastung für ihn – war er doch gewohnt, ständig alles für die ganze Familie zu zahlen (also auch Uschis Anteil).


Bei der Haushaltskasse teilen wir schön durch Zwei, auch wenn jedes zweite Wochenende vier Köpfe versorgt werden. Als die Kids noch kleiner waren, hat man es eh fast nicht beim Einkauf gemerkt, ob man nun für zwei oder vier Menschen einkauft. Inzwischen – mit 14 und fast 11 – würde ich das definitiv nicht mehr unterschreiben. Mir kam aber nie wirklich die Idee, auf eine andere Aufteilung zu drängen – zumal es sich für mich als fair anfühlte, weil Marc meist im Restaurant die Rechnung übernahm.


Die Einladung

Irgendwann kam er aber – dieser Moment, in dem ich erstmals intuitiv ein Ungerechtigkeitsgefühl hinsichtlich der Bonuskinder und dem Thema Geld hatte. Es war der Tag nach Tommis Kommunion, wo wir den ganzen Tag das Kommunionskind feierten (ein komischer "Brauch" – ich kannte bis dahin nur Kaffeetrinken mit den Nachbarn). Jedenfalls verbrachten wir (Marc und ich) den Tag mit Tommi, Annika und Uschi. Nachdem wir beim Lasertag und im Kino gewesen waren, was Marc für alle gezahlt hatte, gingen wir Burger essen, wo Uschi die Rechnung übernahm. Als wir uns im Parkhaus verabschiedeten, entschied ich mich dafür – ich bin ja ein wohlerzogenes Plag – mich noch bei Uschi für das Essen zu bedanken. Nicht, weil ich irgendwie dachte, dass sie es erwartete, sondern weil es sich halt so gehört.


Ihre Reaktion war nicht so, wie ich es erwartet hatte. Ich hatte ein „Natürlich, gern.“ Oder ein sehr (optimistisch gedachtes) „Kein Thema. Du machst doch so viel für die Kinder. Da kann ich Dich auch mal einladen.“ erwartet. Stattdessen bekam ich ein (Achtung! – Interpretation!!!) schnippisches „Ja“.


Selbst gemachte Gefühle

Danach fühlte ich mich schlecht und hatte das Gefühl, dass sie mich vielleicht hätte gar nicht einladen wollen oder gar erwartet hatte, dass ich ihr für den Burger und die Cola noch 15 Euro in die Hand drückte??


Natürlich ist das reine Interpretation meinerseits, weil die Reaktion nicht so gewesen war, wie ich sie erwartet hatte. Durch meinen Kopf schossen direkt tausende Gedanken. Angefangen von „Was für eine B….!!!“ über „Weiß die blöde K.. eigentlich, wie viele 1000ende Euros ich bereits für Ihre Kinder ausgegeben habe?“ bis hin zu „Ich will diese geizige Frau nie wiedersehen.“


Ich denke, dass in den kommenden Tagen alle Gedanken, die ich mir bis dato noch nicht zu dem Thema gemacht hatte, durch den Kopf gingen. Ich war das manifestierte Opfer in Person. Riesige Geldbeträge summierten sich in meinem Kopf auf und wurden mit dem verglichen, was ich als Dank dafür bekam: nichts bzw. ein schnippisches „Ja“ von der blöden Ex.

Ich suhlte mich ein paar Tage in meinem Opferdasein. Unter anderem las ich auf dem Stiefmutterblog einen Artikel zum Thema „Money, Money, Money“ und das Stichwort „Querfinanzierung“ triggerte mich besonders.


Ich erkannte, dass auch ich zur Querfinanziererin geworden war – unterstützte ich doch Marc und die Kinder oft mit. Glücklicherweise ist Geld bei mir keine Mangelware (gut, könnte natürlich immer mehr sein), aber ich muss nicht auf jeden Cent gucken. Ich kam mir plötzlich mit meinem Opfergehabe ziemlich dämlich vor. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass viele Bonusmamas sich auch finanziell beteiligen, obwohl sie selbst nur über sehr wenig Geld verfügen.


Ich überlegte, wie ich künftig mit dem Thema umgehen wollte:

- Wollte ich in Zukunft Cent genau alles ausrechnen? Sicherlich nicht.

- Wollte ich von Marc mehr Geld fordern, z.B. seinen Mietanteil erhöhen, weil die Kinder in unserer Wohnung auch ihre Zimmer haben? Das kam mir kleinkariert vor.

- Wollte ich den Kindern keine Geschenke oder Kleidung mehr kaufen? Auch das nicht – machte es mir doch selbst so viel Freude.


Die freie Wahl

Das war auch der Moment, wo mir klar wurde, dass mich ja keiner zwang, es so zu tun, wie ich es tat. Weit und breit, wo ich hinschaute, überall die freie Wahl! Ich konnte überlegen, wie ich es handhaben wollte.

Dieser Gedanke gab mir die Kontrolle bzw. die Macht über die Situation wieder. Ich erkannte, dass ich in jeder Sekunde frei wählen konnte, wie viel Geld ich gebe bzw. ob ich überhaupt welches gebe. Und wenn ich kein Geld geben möchte, dann ist das auch meine gute und freie Wahl.


Als ich mit Ulla telefonierte, kamen wir auch auf das Thema Testament zu sprechen. Ich erzählte ihr von meinem Testament (warum ich mein Testament geschrieben habe, könnt Ihr im Artikel "Über das Erben mit Stiefkindern" nachlesen).


Als ich mein Testament schrieb, kam natürlich unweigerlich die Frage auf: wie viel und was sollen meine Bonuskinder erben? Sollten die Bonuskinder mehr erben als bspw. meine Neffen oder mein Patenkind? Oder sollte Blutsverwandtschaft mehr bekommen als die Bonuskinder, mit denen ich zwar die meiste Zeit verbringe, aber die halt nicht blutsverwandt sind? Schwierige Fragen. Ich entschied für mich, dass jedes Kind gleich viel bekommen sollte. So können nun meine Erben darüber streiten, ob es gerecht ist oder nicht – frei nach dem Motto „Nach mir die Sintflut.“


"On top"

Als ich mit Ulla darüber sprach, kam mir noch ein weiterer Gedanke: Die Kinder haben Mutter und Vater. Wenn diese sterben, werden sie von diesen hoffentlich erben. Es ist also nicht so, dass den Bonuskindern etwas weggenommen würde, wenn ich sie nicht beerben würde wie eine Mutter ihre Kinder beerbt. Sondern sie bekommen etwas „on top“ – ich nenn‘ es mal Bonus. Dieser Gedanke macht es mir etwas leichter. Von mir ist perse gar nichts zu erwarten, d.h. alles, was ich gebe, ist zusätzlich. Zusätzlich zu dem, was sie eh schon von ihren Eltern bekommen.

Ich gebe nun freiwillig, wenn ich geben will und wenn ich nicht geben will, dann lasse ich es (ohne mir selber schlechte Gefühle darüber zu machen).


Interessant ist auch, dass viele Bonusmamas „etwas dazutun“. In einer Umfrage auf Instagram (@bonusmutter.de) haben 64% der befragten Bonusmütter (und Bonusväter) angegeben, dass sie für das Bonuskind zahlen.


Sicht eines Mannes (Marc)

Ich fragte Marc, was er gefühlstechnisch beim Thema Unterhalt schwierig findet. Marc erzählte mir, dass er gerne für seine Kinder zahle, es aber ein „verstörendes“ Gefühl sein, dass man ausgerechnet dem Menschen, den man am meisten ablehnt - also der Ex - große Geldbeträge monatlich überweisen muss. Bei uns ist es ja zum Glück so, dass Uschi das Geld auch größtenteils für die Kinder verwendet. Erst als Uschi das Geld verwendet hat, um eine Anwältin gegen Marc einzuschalten, hat Marc Cent genau den Unterhalt ausgerechnet und das spendable Nach-oben-aufrunden bleiben gelassen.


Kritik an den Unterhaltszahlungen

Ich fragte auf Instagram (@bonusmutter.de) und facebook nach, was als Hauptproblem bei den Unterhaltszahlungen angesehen werde. Die Antworten habe ich nach Kategorien sortiert:


Verwendung des Unterhalts

- Inklusive Kindergeld hat die Mutter nicht so viele Kosten, das Geld wird zudem auch nicht fürs Kind ausgegeben.
- Weil es unangemessen ist für das, was Kinder in dem Alter tatsächlich brauchen.
- Es ist klar, dass es für die eine Seite immer zu viel, für die andere immer zu wenig sein wird.
- Ich finde, das geprüft werden müsste, wofür das Geld ausgegeben wird.
- Einerseits Markenklamotten für sich kaufen, aber das Kind bekommt abgetragene.
- Mutter will immer mehr und schickt auch mal kommentarlos ein Foto vom Bon des Schuhkaufs.
- Die Kinder bekommen nicht mal Taschengeld und keine neue Kleidung.
- Uschi macht keinen Urlaub mit den Kindern, sondern investiert ihr Geld lieber in Weight Watchers, um ihre Sofa-Gummibärchen-Chips-Figur wieder ein bisschen in Form zu bringen.

Hier geht es im Kern um das Thema, dass das Geld nicht für das Kind oder die Kinder ausgegeben wird, sondern dass sich Uschi "ein schönes Leben" macht. In solchen Fällen ist das Gefühl der Ungerechtigkeit sehr hoch, da (wir denken an Marcs Überlegungen) hier der Partner Geld an die Ex zahlt und das Geld nicht bei demjenigen, für den es bestimmt ist, ankommt. Gerade wenn die Kinder heruntergekommen rumlaufen, ist es für die Zahlenden und ihre Partner schwer mit anzusehen. Gleiches gilt natürlich für jede andere Art der Vernachlässigung.


Gibt es Lösungsmöglichkeiten?

Bonusmama Greta schlug vor, ob man nicht am dem 14. Lebensjahr das Geld an die Kinder überweisen könnte? Aktuell ist dies erst ab dem 18. Lebensjahr möglich.

Wenn ich an Annika denke, hätte ich zumindest leichte Bedenken, ihr jeden Monat 735,50 € zu überweisen, da ich mir nicht sicher wäre, ob sie das Geld sinnvoll ausgibt. Ich bin mir aber auf jeden Fall sicher, dass sie schnell das neuste Iphone hätte.


Bonusmama Astrid hat bereits seit Jahren mit ihren Jungs (inzwischen 18) ein Budget-Modell vereinbart. Danach bekommen sie einen monatlichen Betrag zur Verfügung gestellt, mit dem sie selber wirtschaften müssen. Das Geld soll Kleidung, Reinigungs- und Schönheitsartikel sowie alles Notwendige für die Schule decken. Bei ihren zwei Jungs sieht man wunderbar, wie unterschiedlich Kinder mit dieser Freiheit umgehen: Sohn 1 gibt alles Geld aus, Sohn 2 spart sich reich. So reich, dass Astrid manchmal selber zum Portemonnaie greifen will, um ihn eine neue Jeans oder ähnliches zu kaufen.


Meine persönliche Meinung dazu ist, dass es vermutlich nur funktioniert, Kindern in frühen Jahren diese Verantwortung zu übertragen, wenn die Kinder gelernt haben, mit Geld umzugehen. Dies haben Kinder aber meist nur gelernt, wenn sie zumindest einen Elternteil haben, der ihnen beigebracht hat, verantwortungsbewusst mit Geld umzugehen. Genau hier beißt sich aber die Katze in den Schwanz – denn von wem schauen sich die Kinder hauptsächlich den Umgang mit Geld ab? In vielen Fällen von Uschi, also jener Person, die meist gerade NICHT verantwortungsbewusst mit Geld umgehen kann.


Eine Möglichkeit, sicherzustellen, dass die Kinder „ordentlich“ herumlaufen, ist, dass man den Kindern die entsprechende Kleidung kauft und die Aufwendungen vom Unterhalt abzieht. Dies klappt allerdings nur, wenn Uschi dem zustimmt (besonders, wenn ein Unterhaltstitel besteht). Wir haben das einmal gemacht, als Winterschuhe für 180 € für Annika und Tommi gekauft wurden, nachdem Uschi uns beauftragt hatte, welche zu besorgen, weil sie „vom Einkauf so gestresst werde“.


Geld als Druckmittel

Geld wird auch oft als Druckmittel verwendet. Wir hatten es vorletztes Jahr Anfang Oktober, dass Uschi Marc schrieb, dass er jetzt sofort den Unterhalt überweisen sollte. Sie hätte nur noch 27 Euro im Portemonnaie und wollte Annika eine Jeans kaufen. Wenn er nicht bis zum nächsten Tag überwiesen hätte, würde sie Annika sagen, dass es keine Jeans gibt, weil ihr Vater nicht zahlt. Marc wäre beinah ausgerastet. Das Geld war angewiesen, jedoch wegen des Feiertags am 03.10. noch nicht auf Uschis Konto angekommen. In Anbetracht der opulenten Unterhaltszahlung, die Uschi monatlich erhält, eine absolute Frechheit.


Wir beschlossen, die Kinder über die Unterhaltszahlungen zu informieren. Diese fielen aus allen Wolken als sie hörten, dass Papa jeden Monat Geld für sie zahlt. Marc entschied sich auch dafür, ihnen die Höhe des Betrags zu nennen.


Dass wir nicht ganz erfolgreich bei der Erklärung des Unterhaltsmodells waren, zeigte sich wenige Monate später, als Annika, die ja gerne das Spielchen „Vielleicht ziehe ich ja doch zu Euch“ spielt, nachfragte, ob sie denn dann jeden Monat 1.500 € auf ihr Konto überwiesen bekäme, wenn sie zu uns ziehen würde? Ähm, nein.

Erste Erklärung des Unterhaltshalts: ein Totalfail.

Wir starteten eine neue Erklärung und zählten auf, welche Kosten entstehen und dass am Ende des Monats vom Unterhalt nicht mehr viel übrig wäre.


Dies ist jedoch noch leichter Tobak. Andere Bonusmütter erzählten mir, dass ihre Uschi ganz genau weiß, welche Kosten neben dem Unterhalt noch zusätzlich vom Vater zu zahlen seien (Brille, Zahnspange, Klassenfahrten, Tablets fürs Homeschooling) und macht dies auf Heller und Pfennig bei ihm geltend. Andere Uschis schicken kommentarlos Fotos von Rechnungen. Und die schlimmste Erpressung natürlich

„Wenn Du nicht zahlst, siehst Du die Kinder nicht.“

Womit wir direkt beim Thema bestehende „Patchworkmodelle“ sind.


Kritik an den Patchworkmodellen

Bekanntermaßen gibt es zwei Modelle, die den Umgang regeln: das Residenzmodell und das Wechselmodell. Beim Residenzmodell residieren die Kinder bei einem Elternteil, der andere zahlt. Beim Wechselmodell halten sich die Kinder genau 50/50 bei jedem Elternteil auf.


Die Modelle sind ziemlich starr und lassen wenige Variationen zu. Es sei denn, Ihr hat eine tolle Uschi, mit der sich reden lässt, dann geht natürlich auch vieles anders! Aber leider ist das ja nun meist nicht der Fall.


Kritik am Residenzmodell

Die Hauptkritikpunkte am Residenzmodell sind, dass einerseits nicht berücksichtigt wird, dass auch dem zahlenden Elternteil Kosten entstehen und andererseits, dass die Zweitfamilie keine Chance hat.


Auch wenn sich das Kind oder die Kinder nur an jedem zweiten Wochenende beim zahlenden Elternteil aufhält, muss in der Regel ein Raum mit Möbeln etc. bereitgehalten werden. Gleiches gilt in vielen Fällen auch für Kleidung. Dass man dann am Wochenende noch etwas mit dem Kind unternimmt, findet ebenfalls keine Berücksichtigung. Essen und trinken tun lieben Kleinen ja schließlich auch.


Viele Bonusmütter berichteten, dass der Kindsvater teilweise sogar zwei oder drei Jobs habe, um den geforderten Unterhalt leisten zu können. Just schrieb mir eine Bonusmama, dass ihr Mann Maurer sei und daher im Winter wenig bis kein Geld verdiene. Trotzdem ist der Unterhalt zu leisten, so dass sie schon oft eingesprungen sei und die Unterhaltszahlungen übernommen habe (Stichwort: Querfinanzierung). Gleiches gilt auch bei Freiberuflern, die nicht jeden Monat über das gleiche Einkommen verfügen, aber trotzdem immer den gleichen Betrag zu leisten haben.


Eine Bonusmama schrieb mir, dass in einer intakten Familie, wenn der Vater arbeitslos wird, alle den Gürtel enger schnallen müssen. In der Patchworkfamilie wird der Unterhalt weiter an Uschi und die Kinder in der bekannten Höhe überwiesen, während die neue Familie schauen muss, wie sie Essen auf den Tisch bekommt.


Besonders schwierig wird es, wenn der Kindsvater und die neue Partnerin selbst noch Kinder möchten oder bereits haben. Der Betrag, der an Unterhalt geleistet wird, wird dann in den seltesten Fällen noch für das eigene Kind „übrig“ sein.

Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) hat hierzu einen tollen Artikel „Trennung- Scheidung- Zweitfamilie: Die Erste hat das Geld, die Zweite den Mann und das Kind“ verfasst, der die Problematik sehr deutlich aufzeigt.


Kritik am Wechselmodell

Die Hauptkritik am Wechselmodell ist die Tatsache, dass von den Gerichten eine nahezu genaue zeitliche Betreuung von 50%-50% gefordert wird. In vielen Fällen gibt es Betreuungsmodelle, in denen die Kinder bspw. Freitag bis Sonntag beim Kindsvater sind und Montag bis Donnerstag bei der Kindsmutter. Hier liegt kein Wechselmodell vor, so dass der Kindsvater vollen Unterhalt zu zahlen hat, obwohl theoretisch eine 3/7 und 4/7 Kostenverteilung angemessen wäre.

Ein neues Unterhaltsmodell

Ich habe mit Bonusmama Ramona mal überlegt, wie man den Unterhalt besser oder anders gestalten könnte. Wir haben dabei folgende Überlegungen angestellt:


1. Das Einkommen beider Elternteile wird bei der Ermittlung der „Lebensstellung“ des Kindes betrachtet.

2. Die Höhe des Bedarfs wird mittels Düsseldorfer Tabelle ermittelt.

3. Der festgestellte Bedarf verteilt sich auf die Elternteile nach dem Verhältnis ihrer Einkommen.

4. Die Unterhaltszahlungsverpflichtung wird Tag genau berechnet.


Anbei ein Beispiel, wie es aussehen könnte:

1. Uschi verdient 1.500 € netto, der Kindsvater 3.000 €. Insgesamt liegt ein Gesamteinkommen von 4.500 € vor.

2. Der Blick in die Düsseldorfer Tabelle gibt einen zu zahlenden Betrag von 525 € vor.

3. Grundsätzlich verteilt sich die Zahlungsverpflichtung auf Uschi (mit 1/3) auf 175 € und auf den Kindsvater (mit 2/3) auf 350 €.

4. Entsprechend der Betreuungstage wird der an den anderen Elternteil zu zahlende Unterhalt bestimmt:


4a.) Typisches Residenzmodell: Die Kinder sind jedes 2. Wochenende ab Freitag mittag bis Sonntag abend beim Vater, d.h. 2,5 Tage. Im Monat sind dies dann 5 Tage.

Bei einem Unterhalt von 525 € ergibt sich bei 30 Tagen im Monat ein Betrag von 17,50 € je Tag. Der Kindsvater kann sich daher 87,50 € (17,50 € x 5 Tage) als „bereits geleistete Unterhaltszahlung“ anrechnen lassen. Folglich überweist er an die Mutter 262,50 € (350 € ./. 87,50 €)


4b.) Modifiziertes Wechselmodell: Die Kinder sind ab Donnerstag abend bis Sonntag abend beim Vater, d.h. 3 volle Tage pro Woche. Im Monat sind dies dann 12 Tage.

Bei einem Unterhalt von 525 € ergibt sich bei 30 Tagen im Monat ein Betrag von 17,50 € je Tag. Der Kindsvater kann sich daher 210,00 € (17,50 € x 12 Tage) als „bereits geleistete Unterhaltszahlung“ anrechnen lassen. Folglich überweist er an die Mutter 140 € (350 € ./. 210 €)


Natürlich stellt sich die Frage, wer außerordentliche Kosten zu tragen hat? Fallen beispielsweise einmalig Kosten für eine Klassenfahrt an, wäre auch hier eine Kostenteilung nach dem ermittelten Prozentsatz (hier: ein Drittel, zwei Drittel) denkbar.


Für die Fälle, dass die Kindsmutter nichts verdient und der Kindsvater die Kinder betreut, käme es hier zu dem Ergebnis, dass der Kindsvater alle Kosten trägt. Dieses Ergebnis weicht also nicht von dem bisherigen Ergebnis ab.

Eine Erwerbsobliegenheit des anderen Elternteils besteht beim Kindesunterhalt leider nicht.


Was haltet Ihr von unserem Modell? Könnte es funktionieren oder wo sind Schwachstellen, die wir nicht beachtet haben? Schreibt mir gerne Eure Meinungen dazu!

Und noch eine andere Frage: Im Zuge meiner Recherchen in den letzten drei Wochen habe ich sehr viele Zuschriften erhalten und teilweise wirklich unglaubliche Geschichten zum Thema Unterhalt gehört. Habt Ihr Interesse, diese Geschichten alle zu hören? Ich überlege an einem Interviewformat, so dass ich hin und wieder eine Geschichte als einen Artikel hier auf dem Blog veröffentlichen könnte. Wie findet Ihr die Idee?


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